In der Kreisklasse sind Spielertrainer gang und gäbe, im Profifußball hingegen eine Rarität bzw. nahezu gar nicht zu finden. In der Vergangenheit gab es aber sehr wohl einige und durchaus prominente Beispiele mit Trainern, die zugleich auch selbst auf dem Feld standen.
Auf die bekanntesten Vertreter dieser (kleinen) Spielertrainer-Zunft wie Jürgen Klopp, Sir Alex Ferguson oder Vincent Kompany gehen wir nachfolgend ein und blicken zudem auf die heute gültigen Regularien, die auch ein Grund dafür sind, warum es die Spielertrainer im Profifußball nicht mehr gibt.

Seit Sommer 2024 eilt Vincent Kompany mit dem FC Bayern München von Erfolg zu Erfolg, mit einer realistischen Chance, 2025/26 sogar sämtliche Titel abzuräumen. Diese Entwicklung war nicht unbedingt absehbar, galt Kompany bei seiner Verpflichtung bei weitem nicht als erste Wahl.
Doch obwohl auf den Aufstieg mit dem FC Burnley in die Premier League der direkte Wiederabstieg gefolgt war, hatte Kompany seine Trainerqualitäten zuvor schon auf der Insel bewiesen.
Begonnen hat die Trainerkarriere des früheren Kapitäns von Manchester City allerdings dort, wo auch Kompanys aktive Karriere ihren Anfang genommen hat – beim RSC Anderlecht. Nach 11 erfolgreichen Jahren in Manchester heuerte Kompany im Sommer 2019 als Spielertrainer bei Anderlecht an, ausgestattet mit allen Befugnissen bezüglich Aufstellung und mangels Lizenz nur offiziell unter einem Cheftrainer Simon Davies.
👉 Nach verschiedenen Anpassungen der Rolle, auch in Folge einer Rüge des belgischen Verbandes wegen Kompanys fehlender Trainerlizenz, folgte mit 34 Jahren das Ende der aktiven Karriere. Zur Saison 2020/21 übernahm Kompany dann als Cheftrainer und erwarb parallel dazu die erforderlichen Lizenzen.

Der Name Sir Alex Ferguson steht in engem Zusammenhang mit Manchester United. 37 Titel holte der Schotte zwischen 1986 und 2013 mit den Red Devils, doch begonnen hat die Trainerkarriere Ferguson weitaus kleiner.
Nachdem Ferguson für ein Pokal-Aus der Glasgow Rangers verantwortlich gemacht und in der Folge nicht mehr eingesetzt wurde, entschied sich der Angreifer im November 1969 für einen Wechsel zu Zweitligist Falkirk FC.
Dort war Ferguson schon als gleichberechtigter Spielertrainer vorgesehen, doch weil der eigentliche Chefcoach John Prentice damit nicht einverstanden war, endete dieser Abschnitt schnell wieder.
👉 Ferguson spielte noch bis 1974 weiter und kam über die Stationen East Stirlingshire FC und FC St. Mirren 1978 zum FC Aberdeen. Nach 8 erfolgreichen Jahren mit 3 Meisterschaften und 4 Pokalsiegen folgte der Wechsel nach Manchester, wo der 1999 als Sir geadelte Fußball-Lehrer Legendenstatus genießt.

Am Ende einer langen und im Trikot von Manchester United sehr erfolgreichen Karriere fungierte Ryan Giggs in der Saison 2013/14 als spielender Co-Trainer – auch, um es dem neuen Trainer David Moyes leichter zu machen, die großen Fußstapfen von Sir Alex Ferguson zu füllen.
Moyes allerdings scheiterte bei dieser Mission und musste noch vor dem Ende seiner ersten Saison gehen. Für die letzten 4 Spiele der Saison übernahm Giggs interimsweise das Kommando und beschränkte sich zunächst auf die Rolle an der Seitenlinie.
Ein letztes Spiel im Old Trafford wollte sich der zu diesem Zeitpunkt 40 Jahre alte Giggs allerdings nicht nehmen lassen und wechselte sich im finalen Heimspiel gegen Hull City (3:1) selbst ein. Bei seinem insgesamt 963. Einsatz für Man United gelang Giggs sogar noch die Vorarbeit zum letzten Treffer seiner Mannschaft.
👉 Dem Intermezzo als Spielertrainer schloss sich allerdings keine große, sondern eher eine tragische Trainerkarriere an. Nach zweieinhalb Jahren als Trainer der walisischen Nationalmannschaft wurde Giggs im November 2020 wegen häuslicher Gewalt festgenommen und trat nach dem offiziellen Aus als Trainer seines Heimatlandes im Juni 2022 nicht mehr in verantwortlicher Rolle in Erscheinung.

Am 26. Februar 2001, just am Rosenmontag, begann eine der größten deutschen Trainerkarrieren, als der 1. FSV Mainz 05 nach einer 1:3-Niederlage gegen Greuther Fürth den zuvor verantwortlichen Eckhard Krautzun entließ und den damals 33 Jahre alten Jürgen Klopp zum Nachfolger ernannte.
Klopp stand bei besagter Niederlage gegen Fürth noch als Rechtsverteidiger auf dem Platz und gehörte bis zum Saisonende weiter dem Mainzer Kader an, kam allerdings nicht mehr zum Einsatz. De facto war Klopp somit zwar Spielertrainer, verzichtete aber darauf, sich selbst zu nominieren.
Der Erfolg in Form des Klassenerhalts in der 2. Bundesliga gab Klopp recht, setzte sich aber weitaus länger fort. Nach 2 äußerst knapp gescheiterten Anläufen schaffte Mainz 2003/04 den erstmaligen Bundesliga-Aufstieg und Klopp war auf der großen Bühne angekommen.
👉 Bis 2008 blieb der gebürtige Stuttgarter in Mainz und startete dann zunächst bei Borussia Dortmund (2008 – 2015) und danach beim FC Liverpool (2015 – 2024) in 2 höchst erfolgreiche Abschnitte.

Als sich der FC Chelsea im Februar 1998 von Ruud Gullit trennte, verzichtete Klubbesitzer Ken Bates auf einen externen Nachfolger, sondern ernannte Angreifer Gianluca Vialli zum „Player-Manager“. Der damals 33-jährige Italiener blieb bis zum Ende der Folge-Saison 1998/99 im Amt und führte die Blues sogar zum Gewinn des Europapokals der Pokalsieger.
Im mit 1:0 gewonnenen Finale gegen den VfB Stuttgart saß Villa nicht auf der Bank, sondern absolvierte die gesamten 90 Minuten auf dem Feld. Dabei hatte sich der 59-fache Nationalspieler Italiens im vorherigen Saisonverlauf nur selten selbst eingesetzt.
👉 Eine große Trainerkarriere indes sollte nicht folgen. In der Saison 2001/02 fungierte Vialli noch als Trainer des FC Watford, trat dann aber erst wieder als Teil des Trainerstabes der italienischen Nationalmannschaft, die 2021 Europameister wurde, richtig in Erscheinung. Schon damals allerdings war Vialli gezeichnet von einer Krebserkrankung. Am 5. Januar 2023 verstarb Vialli im Alter von nur 58 Jahren.
Wie eingangs erwähnt sind Spielertrainer im Fußball weit verbreitet, allerdings nur in unteren Spielklassen. Dabei schließen die Regularien eine solche Doppelfunktion in der Regel nicht aus.
Konkrete Spielertrainer Regeln gibt es in Bezug auf die Bundesliga zwar nicht, doch muss ein Trainer zwingend im Besitz der Fußball-Lehrer-Lizenz (UEFA-Pro-Lizenz) sein. Weil deren Erwerb zeitaufwendig ist und sich kaum parallel zu einem uneingeschränkten Trainingsbetrieb als aktiver Profi realisieren lässt, gibt es schon lange keine Spielertrainer mehr.
Es kommt zwar vor, dass Trainer im Amt selbst noch die Pro-Ausbildung durchlaufen, doch werden diese dann von ihren Assistenten im Alltag vertreten.
Ähnlich sieht es in den meisten anderen Ländern aus, wobei die Regeln bezüglich eines Spielertrainers teilweise variieren. In der Premier League etwa sind keine Spielertrainer mehr erlaubt, weshalb Ryan Giggs bei seinem Intermezzo am Ende der Saison nicht offiziell in diese Rolle gehievt wurde und sich nur deshalb selbst noch einwechseln konnte.
Spielertrainer im Fußball sind in verschiedener Form vorstellbar, insbesondere natürlich mit einem speziellen Bezug zum jeweiligen Verein. Weil bei Real Madrid der Übergang von Carlo Ancelotti zu Xabi Alonso früh gescheitert ist und ein geeigneter Nachfolger fehlt, könnte Cristiano Ronaldo im Spätherbst seiner großen Karriere eine spannende Idee sein.
Sollte dann wie im Amateur- und Jugendfußball eines Tages die Möglichkeit eines Rückwechsels eingefügt werden, könnte sich der portugiesische Altstar noch viele Jahre lang immer zu Freistößen und Elfmetern einwechseln.
☝️ Als Spielertrainer Fußball hervorragend vorstellbar, wäre auch Thomas Müller, der bei den Vancouver Whitecaps ohnehin schon mindestens als verlängerter Arm auf dem Spielfeld fungiert. Mit all seiner Erfahrung und Persönlichkeit könnte es durchaus eine Option sein, dass der Weltmeister von 2014 vollends in die Verantwortung rückt.
Der negativen Entwicklung seit dem Abgang von Sir Alex Ferguson würde bei Manchester United wohl die Ernennung von Harry Maguire zum Spielertrainer die Krone aufsetzen. Der Innenverteidiger, dem längst eine eigene Kategorie an Memes gewidmet ist, würde in jedem Fall dafür sorgen, dass die Red Devils ungeachtet ihres sportlichen Auftretens regelmäßig Schlagzeilen schreiben.
Spielertrainer im Profifußball: Die 5 bekanntesten Beispiele
EM 2036: Bewerber & mögliche Austragungsorte
Spielertrainer haben nicht nur im Amateurbereich ihr Dasein, sondern wie dargestellt auch im professionellen Fußball eine Geschichte. Allerdings wird anhand der aufgeführten Beispiele auch schnell deutlich, dass es sich immer nur um sehr kurze Zeitabschnitte gehandelt hat.
Nicht zuletzt deshalb, weil es kaum möglich ist, dass eine einzelne Person die Anforderungen an einen Spieler und zugleich an einen Trainer uneingeschränkt erfüllen kann.
Das mag in der Kreisklasse funktionieren, wenn der Trainer als Spieler mehrere Qualitätsstufen über Mit- und Gegenspielern anzusiedeln ist, nicht aber in der Bundesliga oder im Europapokal.
Ein Cheftrainer in diesem Bereich versammelt heute eine Reihe von Assistenten und Spezialisten um sich, benötigt aber die volle Aufmerksamkeit, um deren Input in die richtigen Entscheidungen umzuwandeln. Als Spieler auf dem Platz ist dafür aber weder Zeit noch Konzentration vorhanden.
Dass noch einmal ein Spielertrainer im Profi-Fußball in Erscheinung tritt, lässt sich zwar nicht vollends ausschließen, aber eines ist gewiss: Von längerer Dauer wird ein solches Engagement in Doppel-Funktion nicht sein.
Antworten auf die am häufigsten gestellten Fragen zum Thema Spielertrainer, findest Du im folgenden FAQ.
Nein. In der Saison 2025/26 sind zumindest im europäischen Profifußball keine Spielertrainer aktiv.
Spielertrainer im Fußball sind nicht verboten. Jedoch gibt es im modernen Fußball wohl kaum mehr einen Anlass, auf Spielertrainer zu vertrauen.
Ja. Auch ein Spielertrainer muss für eine Tätigkeit im professionellen Fußball die Fußball-Lehrer-Lizenz (UEFA-Pro-Lizenz) besitzen oder gerade erwerben.
Auch wenn jedes Spielertrainer Beispiel andere Voraussetzungen hatte, sind in diesem Zusammenhang allen voran Jürgen Klopp, Gianluca Vialli und Vincent Kompany zu nennen.
Schlichtweg deshalb, weil sich die enormen Anforderungen an einen Trainer kaum mit einem Einsatz als Spieler auf dem Feld vereinbaren lassen.