
Die Transfersummen werden im Fußball immer absurder, das haben die letzten Jahre gezeigt. Auch deswegen lassen sich Fußballvereine immer mehr einfallen, um Transfers einzufädeln und abzuwickeln.
Ein Trend, der sich vor allem in den letzten Jahren entwickelte: sogenannte „Brückentransfers im Fußball“. Wir erklären Dir, wie diese funktionieren, ob sie legal sind und welche Beispiele besonders bekannt sind.
Normalerweise sind an einem Transfer im Sport 2 Vereine beteiligt: Ein Klub, der den Spieler abgeben möchte und ein Verein, zu dem der Akteur wechselt. Bei einem Brückentransfer sind allerdings 3 Vereine involviert. Der Transfer läuft über einen Umweg, oder überquert eine Brücke. Wie man möchte.
Bei einem Brückentransfer wechselt ein Spieler nicht sofort von Klub A zu Klub B, sondern zunächst zu Klub C, der häufig ein Amateurklub ist. In der Regel läuft das über eine Leihe, die sofort nach dem Transfer in Kraft tritt. Es kann aber auch vorkommen, dass ein Spieler zunächst zu einem Verein wechselt, ein weiterer Transfer aber schon besprochenen Sache ist.
Für die aufnehmenden Vereine können Brückentransfers mehrere Vorteile haben. Zum einen kann sich ein Spieler weiterentwickeln und auf die Aufgabe bei einem großen Verein vorbereiten. Das ist vor allem bei jungen Spielern nützlich, die früh an den Klub gebunden werden sollen, aber noch nicht alt oder weit genug sind, um bei diesem zu spielen.
Außerdem können Transfersummen gedrückt und die Regelungen rund um Jugendspieler umgangen werden. Vor allem geht es also ums Geld: Die Profiklubs können sich nämlich die Ausbildungsentschädigung sparen, die in der Regel für junge Talente gezahlt werden muss.
Hierbei gibt es komplizierte Konzepte und Faktoren, die eine Rolle spielen. Im Folgenden werden wir noch einige davon beleuchten.
Das kommt darauf an, wie die Brückentransfers ablaufen. Einige davon dürften sich in einer Grauzone abspielen, andere sind laut den Statuten des Weltverbandes FIFA und des europäischen Fußballverbandes UEFA verboten.
Das Verbot wurde im Jahr 2020 im offiziellen Regelwerk festgehalten. Nach diesem ist ein Transfer, der über einen Zwischenverein abgewickelt wird, verboten.
Ein Jahr später wurde zum ersten Mal ein Brückentransfer bestraft. Dabei ging es um einen Transfer in Frankreich, der zwischen dem Erstligisten Angers und dem Zweitligisten FC Paris stattfand.
Beide Klubs wurden mit einer Transfersperre für ein Transferfenster verurteilt. Außerdem mussten sie eine Geldstrafe bezahlen, die jeweils 30.000 Schweizer Franken betrug.
Brückentransfers lassen sich wohl kaum besser erklären als durch den Fall Cardoso Varela – und zwar in all ihren Facetten. Im Sommer 2024 spielte der Portugiese sich bei der U17-EM in die Notizbücher der Top-Scouts. Der damals 15-jährige stand zu dieser Zeit beim FC Porto unter Vertrag.
Der Klub wusste, was die Stunde geschlagen hatte und ging auf den Spieler zu, um ihn langfristig zu binden. Es gab allerdings ein nicht unwesentliches Problem.
Der FC Porto erreichte Varela nicht, egal wie oft seine Nummer gewählt wurde. Nach der U17-Europameisterscahft schien er spurlos verschwunden zu sein. Erst später erfuhren die Verantwortlichen davon, dass sich der Teenager in Kroatien aufhält – und zwar nicht, um sich einen verdienten Urlaub nach dem Turnier zu gönnen. Stattdessen erfuhr der Klub, dass Varela einen Vertrag unterschrieben hatte.
Das Talent hatte einen Vertrag bei NK Dinamo Odranski unterzeichnet, einem kroatischen Viertligisten. Ein ungewöhnlicher Karriereschritt, zumal Varela laut Angaben der Porto-Verantwortlichen bei dem portugiesischen Top-Klub bleiben wollte.
Porto-Präsident André Villas-Boas sagte danach im kicker, dass Varela regelrecht entführt wurde. Demnach sollte der Teenager selbst keine Entscheidungsfreiheit gehabt haben.
Eine Rolle dabei soll sein angeblicher Onkel gespielt haben: Wilson Sardinha. Villas-Boas gab an, dass Varela Angst vor diesem gehabt haben soll.
Der FC Porto wollte den Verlust und die allgemeine Situation rund um Varela nicht einfach so akzeptieren und legte Einspruch ein. Die FIFA prüfte die Sachlage und entschied sich letztlich dazu, dem Transfer keine Freigabe zu erteilen.
Varela blieb in der Folge in Porto, wechselte im Februar 2025 dann aber doch nach Kroatien. Der Offensivspieler ging ablösefrei zu Dinamo Zagreb, einem kroatischen Top-Klub, der für seine gute Jugendarbeit bekannt ist. Ein Wechsel, der schon deutlich mehr Sinn macht, allerdings einen bitteren Beigeschmack hat.
Laut unterschiedlicher Medienberichte soll ein weiterer Wechsel bereits ausgemachte Sache sein: 2026 soll Varela zum FC Barcelona gehen. Eingefädelt haben das Sardinha und Spielerberater Andy Bara. Ein klassischer Brückentransfer also, der dazu führen soll, dass Barca keine Ausbildungsentschädigung zahlen muss.
Der FC Porto will auch das nicht akzeptieren und den Spieler zurückholen. Ob das funktionieren kann, ist noch unklar.
Im Zuge dieses Transfer-Wirrwarrs kam ans Licht, dass Sardinha den Eltern Varelas in deren Heimat Angola die Vormundschaft für das damals 13 Jahre alte Kind abgekauft hatte, das allein nach Portugal auswanderte. Die Eltern kamen ins Spiel als die FIFA den Wechsel ihres Sohnes zum kroatischen Viertligisten stoppte.
Kurz danach tauchte ein Brief auf, in dem die Eltern Varelas dem FC Porto schwere Vorwürfe machen. Der Vater behauptete sogar, dass ihm ein Vereinsverantwortlicher mit dem Tode bedroht habe, falls er seinen Sohnemann nicht in die Jugendakademie des Klubs schicken würde.
Varela selbst machte nie öffentlich, dass er beim FC Porto schlecht behandelt wurde. In seinem Abschiedsstatement lobte er den Klub sogar in höchsten Tönen.
Varelas Vater soll mittlerweile in einer Papierfabrik bei Zagreb arbeiten. Verschafft hat ihn den Job offenbar Bara.
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Der Fall Varela ist offensichtlich eine der mysteriösesten Transfer-Geschichten überhaupt. Allerdings gab es in der Vergangenheit schon viele weitere Brückentransfers.
Wir wollen Dir 2 weitere Beispiele von Brückentransfers nahebringen:
Bara wurde nicht zum ersten Mal im Zuge von Brückentransfers auffällig. Der Spielerberater hatte auch seine Finger im Spiel als der Senegalese Mikayil Faye spurlos verschwand, sein Klub Diambars FC war ratlos.
Einige Monate später wurde Faye wieder gesichtet – und zwar im Trikot von NK Kustosija Zagreb, einem kroatischen Zweitligisten. Wiederum einige Monate später folgte der Wechsel von Faye zum FC Barcelona. Die Ablöse betrug 1,3 Millionen Euro.
Eine Ausbildungsentschädigung musste Barca nicht bezahlen. Für die Katalanen lohnte sich das Geschäft, denn ein Jahr später ging Faye für 10 Millionen Euro zu Stade Rennes.
Und auch für Bara dürfte sich das Geschäft gelohnt haben, denn die aufnehmenden Vereine zahlen den Spielerberatern in diesen Fällen in der Regel Provisionen. Daher lohnt es sich für die Berater, Brückentransfers einzufädeln.
Multi-Club-Ownerships eignen sich besonders gut für Brückentransfers. Es handelt sich um Netzwerke, die mehrere Vereine besitzen, oder zum Teil besitzen. Die Spieler bleiben also quasi in der Familie, das macht vieles einfacher.
Der wohl bekannteste Brückentransfer in diesem Zuge ist der Fall Savinho. Der Brasilianer war in der Saison 2023/24 von Troyes an den FC Girona ausgeliehen.
Beide Klubs sind Vereine der City-Group, eine der mächtigsten Multi-Club-Ownerships des Planeten. 13 Tage nach dem Leihende folgte dann der Transfer von Troyes zu Manchester City, ebenfalls in der City-Group vertreten.
Der Verdacht liegt nahe, dass der Transfer zu City, der die Skyblues 25 Millionen Euro kostete, bereits vor Savinhos Wechsel nach Girona feststand. Auch die recht geringe Ablöse spricht dafür, Savinhos Marktwert lag beim Wechsel bei 50 Millionen Euro. UEFA und FIFA ermittelten in der Folge gegen Manchester City, zu einer strengen Strafe kam es bislang aber nicht.
Das wäre dann wohl die nächste Manchester City Klage!
Es gibt gute Gründe dafür, dass die Ausbildungsentschädigung ins Leben gerufen wurde. Immerhin verhindert sie, dass die Klubs, die viel Geld und Zeit in die Ausbildung investieren, dann leer ausgehen, wenn sie gute Spieler hervorbringen.
Diese könnten ohne die Entschädigung nämlich einfach den Verein wechseln, wenn der Vertrag ausläuft und der Ausbildungsklub würde keinen Cent sehen.
Noch größer macht dieses Problem, dass Profi-Verträge erst ab einem Alter von 16 Jahren unterschrieben werden dürfen. Der Ausbildungsverein hat also keine Chance, den Jugendspieler vor dessen 16. Geburtstag zu binden – und dieser kann sich dann einfach einen Verein aussuchen.
Das Verbot von Brückentransfers ist aus unserer Sicht daher absolut sinnvoll. Die Frage ist, wie ernst es FIFA und UEFA mit diesem meinen und wie sie Brückentransfers verhindern können.
Die Beweislage ist oft schwierig, denn mündliche Vereinbarungen sind schwer nachzuvollziehen. Allerdings sollten die Alarmglocken schrillen, wenn Top-Talente unter 18 ungewöhnliche Karrierewege gehen und Wechsel in kurzer Folge vollzogen werden.
Bei der Eindämmung von Brückentransfers im Fußball helfen im Endeffekt nur strenge Bestrafungen, sobald einer dieser Transfers entdeckt und bewiesen werden kann. Der Fall Savinho macht dabei wenig Hoffnung. Hier hätten FIFA und UEFA ein Exempel in ihren Transferregeln statuieren können.
Unsere Hoffnung, dass die Fußballverbände scharf mit den Klubs ins Gericht gehen, ist daher begrenzt. Wichtig wäre es aber ohne Zweifel, denn Brückentransfers sind ein Teil des modernen Fußballs, der den meisten Fans nicht gefallen dürfte.
Die Chancen für Vereine, die sauber arbeiten, schwinden dadurch. Und Jugendspieler werden noch mehr wie Ware behandelt, als es ohnehin schon der Fall ist.
Lesetipp zum Abschluss: Hier kannst Du erfahren, ob es noch Wetten auf Spielertransfers gibt!